Zwischenzonen – MAI

Mit Rolf Birkholz und Gudrun Schnitzer

François-Mitterrand-Platz: Eine Erkundung zwischen Beton, Geschichte und Begegnung

An einem wechselhaften, später heißen Tag erkundeten wir mit dem Framework Social Presencing Theatre den François-Mitterrand-Platz in Frankfurt, angeleitet von Rolf Birkholz und Gudrun Schnitzer. Der Platz liegt zwischen Co-Working-Spaces, Büros, dem Holiday Inn, der Mainzer Landstraße und der Bundesbank und ist ein unwirkliches, hartes Pflaster, eine echte Betonwüste.

Auch die Geschichte des Platzes ist aufgeladen. Im 14. Jahrhundert war dieser Ort Henkersplatz, später von Villen umgeben, zwischenzeitlich Auffangort eines überlebenden Heißluftballonfahrers nach einem Absturz. Seit den 1980er-Jahren trägt er eine Widmung von François Mitterrand – als Erinnerung und Mahnung zu europäischer Verbundenheit.

Wir näherten uns diesem Ort mit Respekt und unterschiedlichen Befürchtungen. Würden wir die Menschen stören, die sich dort aufhalten, darunter auch viele, die sichtbar mit Sucht, Verletzlichkeit oder Ausgrenzung leben? Oder würden sie uns irritieren? Wie frei dürfen wir uns bewegen? Gibt es unsichtbare Grenzen, territoriale Linien, Bereiche, deren Überschreitung sich unachtsam oder sogar unverschämt anfühlen könnte?

Am Anfang lag viel Aufregung in der Gruppe. Gleichzeitig war da eine berührend offene Bereitschaft, sich einzulassen: mit Neugierde, Feinfühligkeit und Lust zur Erforschung. Einige kannten sich bereits aus anderen Kontexten, doch in dieser Konstellation waren wir zum ersten Mal zusammen.

Von innen nach außen aufbauend

Methodisch aufbauend folgten auf individuelle Übungen bilaterale Begegnungen, danach kleine Konstellationen. Schritt für Schritt vertiefte sich die Verbindung: zu uns selbst, zueinander und zum Ort. Mit den Anwohnenden entstanden Momente von flüchtigem Kontakt, gespürter Neugier, unaufgeregter Parallel-Existenz, aber auch Momente atmosphärischer Unsicherheit und Unberechenbarkeit.

In der Übung „Village“, die zum Schluss hin kam, wurde schließlich der gesamte Platz weitläufig erkundet. Der Raum begann sich vollends zu verändern – nicht baulich, aber in unserer Wahrnehmung. Was zuvor trist, hart und bedrückend erschien, wurde durch die lebendige, verbindende und freiheitliche Erfahrung in der Gruppe neu aufgeladen.

Der François-Mitterrand-Platz blieb derselbe Ort. Und doch war er danach ein anderer. Einen gefühlt "toten Platz" haben wir für uns in eine Ressource verwandelt: ein Ort, an dem wir Unsicherheit ausgehalten, Nähe spielerisch erprobt, Grenzen gespürt und Gemeinschaft erfahren haben in der Sicherheit einer klaren Methode und erfahrenen Facilitator*innen (= Die Menschen, die sicher und achtsam durch eine Methode hindurchführen). Psychologische Sicherheit an einem solchen Ort zu kreieren ist eine Herausforderung, die uns gelungen ist, auch durch den vorsichtig explorativen Aufbau des Workshops und der Methode.

Überraschend schön

Ein spontanes Zusammenfinden der Gruppe auf einem der großen Steinflächen inmitten des Platzes zum Ende des Workshops hin vermittelte das Bild eines Floßes auf einem unwirklichen Meer. Ein gelungener Abschluss.

Wir gingen mit einer warmen, positiven und bereichernden Erinnerung weiter – und mit dem Gefühl, dass selbst eine Betonwüste beginnen kann zu leben, wenn Menschen sich ihr achtsam, offen und gemeinsam nähern.

Nächster Workshop mit Rolf Birkholz und Gudrun Schnitzer: 4 Levels of Listeningam 27.06.2026 auf dem Horst-Lippmann-Platz.

© Fotos von Judith Ritter-Davis, Gudrun Schnitzer oder Rolf Birkholz

Das Floß.

Der Anfang.

Der blinde Musik-Pädagoge und Gitarrist Fred Philipp Lohr war mit seiner Begleitperson Franziska dabei und hat in unser Format reingeschnuppert, was uns total gefreut hat. Er ist mit seinem Projekt „Community Music“ und weiteren Musikprojekten, wie die „Musikkarawane“ und dem „Salon Gutleut“ im Bahnhofsviertel und im Gutleutviertel unterwegs. Fred hat über das Fliegende Künstlerzimmer, das ab August 2026 auch auf dem François-Mitterand-Platz installiert wird und durch das Koordinierungsbüro Bahnhofsviertel von unserem Angebot erfahren. Danke Ihnen für`s weitersagen!

Austausch – Sharing – und Journaling am Ende mit ein paar spezifischen ausgewählten Fragen.

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